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Friaul

Die Motorrad-Reviere im Friaul

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Friaul-Julisch Venetien ist der nordöstliche Zipfel Italiens, dort wo die Alpen an Österreich und Slowenien stoßen und in wenigen Stunden Fahrzeit in die Adria auslaufen. Für Motorradfahrer bedeutet das drei Länder an einem Tag, eine Passdichte wie kaum sonst am Alpenrand und Grenzübergänge, die man auf dem Sattel statt am Schlagbaum erlebt. Wer Tarvisio als Basis wählt, hat die Julischen Alpen, die Karnischen Alpen und den slowenischen Sočatal-Anschluss im Umkreis einer halben Tankfüllung. Das folgende Revier verbindet hochalpine Kehren mit Weinhügeln, langobardischer Geschichte und Lagunenküste.

Julische Alpen und der Predil-Pass — die Klinge nach Slowenien

Das Zugpferd des Reviers ist der Passo del Predil, der von Cave del Predil südlich von Tarvisio über die Grenze nach Slowenien führt. Die Straße windet sich am dunklen Predil-See vorbei, unter den senkrechten Wänden des Mangart-Massivs hindurch, und fällt jenseits der Passhöhe steil ins Tal von Log pod Mangartom ab. Am Scheitel steht die habsburgische Sperrfestung Predil, unten im Tal wacht die Kluže-Festung über der Koritnica-Schlucht — beide gehören zur Isonzofront des Ersten Weltkriegs und sind ein lohnender Stopp für den, der Geschichte und Serpentinen mag. Kurz vor der Grenze zweigt die Panoramastraße zur Mangart-Scharte ab, eine der höchstgelegenen befahrbaren Straßen Sloweniens: eine Stichstraße mit Tunneln und freihängenden Kehren, gegen eine Gebühr befahrbar, die geradewegs in die Felswand des Berges hineingebaut wurde. Der Belag ist schmal, das Panorama entschädigt für jedes Gegenverkehr-Manöver.

Vršič-Pass — 50 Kehren über die Grenze

Vom Predil aus ist der berühmteste Pass der Julischen Alpen greifbar nah: der Vršič-Pass, der höchste Straßenpass Sloweniens. Über Bovec und das smaragdgrüne Sočatal rollt man nach Trenta und beginnt dort die Auffahrt, deren Nordrampe hinunter nach Kranjska Gora 24 der insgesamt fünfzig durchnummerierten Kehren zählt — ein Teil davon noch mit dem historischen Kopfsteinpflaster der russischen Kriegsgefangenen, die die Straße im Ersten Weltkrieg bauten. An der Nordrampe erinnert die hölzerne Russische Kapelle an sie. Die Pflasterkehren verlangen bei Nässe Respekt, die Aussicht auf die Nordwand des Prisojnik und den Zahn des Razor ist der Lohn. Wer den Vršič in die Runde einbaut, fährt Julische Alpen im Kreis: Predil hinein, Vršič heraus.

Tarvisio, das Dreiländereck und die Straße nach Kärnten

Tarvisio ist der natürliche Stützpunkt des Reviers — hier stoßen Italien, Österreich und Slowenien zusammen, und drei Sprachen mischen sich auf der Speisekarte. Vom Ort führt die Sella Nevea als Sattel zwischen den Julischen Alpen hindurch Richtung Chiusaforte und ins obere Tagliamento-Becken — eine kurvige, wenig befahrene Verbindung durch dichten Bergwald mit Blick auf den Kanin-Stock. Nach Norden öffnet der Passo di Pramollo, das Nassfeld, die Tür nach Kärnten: eine steile, technische Rampe von Pontebba hinauf zur Grenze und hinunter Richtung Hermagor im Gailtal. Die italienische Seite ist eng und anspruchsvoll, die österreichische breiter und flüssiger — ein Passcharakter, der sich mit dem Grenzstein schlagartig ändert.

Karnische Alpen, Carnia und das Tagliamento-Tal

Westlich von Tarvisio breitet sich Carnia aus, das karnische Bergland — grüner, stiller und weniger touristisch als die Julischen Alpen. Der Tagliamento zieht hier als breites, verzweigtes Kiesbett durch die Landschaft; er gilt als einer der letzten weitgehend naturbelassenen Wildflüsse des Alpenraums, und die Uferstraßen folgen seinen Windungen ohne Hast. Über Tolmezzo, die heimliche Hauptstadt Carnias, erreicht man die Auffahrt zum Monte Zoncolan — eine der steilsten Bergstraßen der Alpen, aus dem Radsport berüchtigt, im ersten Gang und mit warmer Kupplung zu nehmen. Nach Westen leitet der Passo della Mauria über nach Cadore und damit in die Dolomiten, nach Norden führen einsame Talstraßen bis an den österreichischen Grenzkamm der Karnischen Alpen.

Collio, Weinhügel und der voralpine Rand

Wo die Berge in die Ebene übergehen, beginnt der Collio, das Hügelland an der slowenischen Grenze und eines der besten Weißweingebiete Italiens. Für Fahrer heißt das: enge, ständig kurvende Nebenstraßen über Rebenkämme, von Weiler zu Weiler, mit weiten Blicken über das Isonzotal. Rund um Cormons und San Floriano del Collio läuft die Grenze mitten durch die Weinberge; man wechselt beiläufig zwischen italienischen und slowenischen Gemeinden. Diese voralpinen Hügel sind das ideale Kontrastprogramm für den Tag nach den großen Pässen — geringe Höhe, viel Kurvenspiel, kurze Etappen.

Cividale del Friuli und die Langobarden

Cividale del Friuli gab der ganzen Region ihren Namen: als Forum Iulii von Julius Cäsar gegründet, wurde aus dem lateinischen „Iulii" das heutige „Friuli". Später war die Stadt erste Hauptstadt eines langobardischen Herzogtums; der Tempietto Longobardo und der Klosterbezirk gehören zum UNESCO-Welterbe der langobardischen Machtzentren in Italien. Über den Natisone spannt sich der steinerne Ponte del Diavolo, der Teufelsbrücke, hoch über der grün eingeschnittenen Schlucht — ein Fotomotiv, das man im Vorbeifahren nicht übersieht. Die Straßen östlich von Cividale kriechen bereits in die slowenischen Voralpen hinein und sind ein ruhiger Zubringer zurück Richtung Julische Alpen.

Udine — venezianisches Herz der Ebene

Udine, die größte Stadt Innerfriauls, trägt vier Jahrhunderte venezianische Herrschaft im Stadtbild: die Piazza della Libertà mit der Loggia del Lionello gilt als der schönste venezianische Platz auf dem Festland, darüber thront das Schloss auf seinem Hügel. Für die Durchreise ist Udine der logische Verkehrsknoten zwischen Bergen und Küste; wer einen Ruhetag einlegt, findet Tiepolo-Fresken und eine dichte Altstadt. Von hier fächern die Landstraßen in alle Richtungen des Reviers auf — nach Norden in die Berge, nach Süden zur Lagune, nach Osten ins Weinland.

Palmanova — die Sternfestung in der Ebene

Mitten in der friaulischen Tiefebene liegt Palmanova, eine 1593 von Venedig aus dem Nichts gebaute Festungsstadt in Form eines neunzackigen Sterns — Teil des UNESCO-Welterbes der venezianischen Verteidigungswerke. Am eindrucksvollsten ist die Anlage aus der Luft, doch auch am Boden lohnt die Runde entlang der sternförmigen Wälle und durch das strenge geometrische Straßenraster zum sechseckigen Hauptplatz. Als Zwischenstopp auf der Fahrt von Udine zur Küste ist Palmanova ideal gesetzt: geschichtsträchtig, kompakt, ohne Umweg.

Aquileia, Grado und die Marano-Lagune

Wo Friaul die Adria erreicht, wird aus Bergland Wasserlandschaft. In Aquileia steht die einstige römische Metropole des Nordadriaraums, deren patriarchale Basilika einen der größten frühchristlichen Bodenmosaikböden Europas birgt — UNESCO-Welterbe und ein stiller Kontrast zu den lauten Passtagen. Von dort ist es ein Katzensprung auf die Laguneninsel Grado, über einen Damm durch flaches Wasser angebunden, mit einer verwinkelten Altstadt und frühchristlichen Kirchen. Westlich davon dehnt sich die Marano-Lagune mit dem alten Fischerort Marano Lagunare, und weiter westlich liegt Lignano Sabbiadoro als langgezogener Sandstrand am Ende der Tagliamento-Mündung. Die Küstenstraßen sind gerade und flach — kein Kurvenrevier, aber der passende Ausklang für heiße Reifen und den Sprung ins Meer.

Grenzformalitäten und Praktisches

Friaul ist ein Grenzrevier, und die Grenzen überquert man hier täglich. Italien, Österreich und Slowenien gehören alle zum Schengenraum und zur EU — feste Kontrollen gibt es an den Übergängen normalerweise nicht, stichprobenartige Prüfungen sind aber jederzeit möglich, also Fahrzeugpapiere, Führerschein und Ausweis griffbereit halten. Die internationale Versicherungsbestätigung, die grüne Karte, sollte mitgeführt werden; ein Blick in die Police stellt sicher, dass der Schutz für Slowenien und Österreich gilt. Für Autobahnen jenseits der Grenze gelten eigene Regeln — Slowenien und Österreich verlangen eine gültige Vignette beziehungsweise digitale Maut, die vor der Einfahrt zu lösen ist; wer auf den Landstraßen und Pässen dieses Reviers bleibt, ist davon meist nicht betroffen. Einzelne Bergstraßen wie die Mangart-Scharte erheben eine gesonderte Gebühr direkt an der Straße. Beste Reisezeit für die Hochpässe ist der Sommer bis in den Frühherbst; Vršič und die hohen Julischen Alpen können im Frühjahr und Spätherbst noch gesperrt oder von Schneeresten gezeichnet sein, während Weinhügel, Lagune und Ebene eine deutlich längere Saison bieten.

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